Mein innerer Konflikt

Am 1. August war Earth Overshoot Day 2018. Seit dem Tag leben wir nicht mehr nachhaltig, sondern haben alle nachwachsenden Rohstoffe, die für ein Jahr angesetzt sind, schon verbraucht. Und was macht Anna am 1. August?! Sie fliegt nach Südamerika und erzeugt noch mehr Treibhausgase! Wie will sie das wieder gut machen?

Einen Blog über Nachhaltigkeit zu schreiben und nicht sein eigenes Verhalten zu reflektieren, wäre schon ein bisschen daneben. Also lege ich jetzt mal die Karten offen, wie viel CO2 mich der Hinflug gekostet hat. Die Berechnungen meiner Emissionen habe ich mit Atmosfair gemacht.

Ich bin von Frankfurt aus nach Madrid, von Madrid nach Lima und von Lima nach La Paz geflogen.

Meine Flüge – Screenshot von Atmosfair

 

Das Ergebnis ist – wie erwartet – schon ein bisschen gruselig! Da habe ich mit dem Hinflug schon fast mein ganzes Jahresbudget aufgebraucht. 2.164 kg CO2 macht für mich 51 Euro, die an Klimaschutzprojekte gehen, welche selbst auch CO2 einsparen und die nachhaltige Entwicklung durch Technologietransfer und Armutsbekämpfung fördern. Für weitere Infos einfach mal bei Atmosfair nachschauen. Ich selbst darf bei der Bezahlung auch noch auswählen, ob ich alle oder nur ausgewählte Projekte ich unterstützen möchte.

Meine CO2-Emissionen – Screenshot von Atmosfair

Hinzu wird noch der Rückflug von Lima nach Frankfurt via Madrid kommen, sowie die Inlandsflüge in Bolivien während der Exkursion. Sobald ich wieder in Deutschland bin wird kompensiert! Und in Zukunft wird wieder weniger geflogen!

Vor 2014 konnte ich noch reines Gewissens keinen einzigen Flug vorweisen. Doch dann bin ich flügge geworden und mich hat das Fernweh gepackt. Jedoch probiere ich möglichst länger am Urlaubsziel zu bleiben, anstatt nur für zwei Wochen zu fliegen. Ein Hauptgrund, warum ich nach der Exkursion in Bolivien noch zwei Wochen durch Peru reise. Aber klar, gar nicht fliegen, ist besser als wenig fliegen und kompensieren.

Neben Atmosfair, können auch mit Climate Fair, KlimaKollekte, PrimaKlima die Flüge kompensiert werden. Eine umfassendere Zusammenfassung findest Du hier auf Utopia.

Kritik

Ein großer Kritikpunkt bei der Sache ist auch die unterschiedliche Berechnung des Klimaschadens. Bei Atmosfair zahle ich 23 Euro pro Tonne CO2, bei PrimaKlima nur 15 Euro pro Tonne CO2. Einige Anbieter berechnen zum Beispiel nur die Treibhausgase, aber berücksichtigen keine anderen „sozio-ökologischen Folgekosten“.

Aufforstungsprojekte zeigen Wirkung erst nach Jahren! Kompensieren vermeidet Vermeidung! Umweltprojekte greifen in fremde Länder ein! Solche Statements lassen mich dann auch kurz zweifeln, ob das jetzt überhaupt etwas bringt, wenn ich meinen Flug kompensiere. Aber mein Gewissen schreit da dann ganz laut: „JA!“ Global mag das vielleicht kaum was ausmachen, aber es ist das Bestmögliche, wie ich den CO2-Ausstoß dieser Flüge wieder gerade biegen kann.

Ich fände es ja mal spannend zu wissen, wie Du zu dem Thema stehst. Kompensierst Du deine Flüge? Hast Du es vor in Zukunft zu tun? Ah, und wie ist unsere Uni eigentlich so drauf? Da stehen ja auch mal Dienstflüge in andere Länder an, oder? Kompensiert die das?

Liebe Grüße aus La Paz!

3 Kommentare

  1. Tja, wie ist die Uni so drauf, im Ergebnis leider mau mau. Wir haben natürlich jede Menge Dienstreisen und auch einige mit Flügen. Kompensieren tun wir die aber klimamäßig nicht, weil wir dafür keine Handlungsgrundlage haben.
    Zunächst haben wir eine Gesetz zu den Reisekosten, dass eine „wirtschaftliche Durchführung“ verlangt. Konkret bedeutet das: wenn der Flug mit einer Billig-Airline von Luxemburg nach Berlin günstiger ist als die Bahn, dann ist der Flug (für das Portemonnaie der Uni) wirtschaftlicher.
    Wenn wir jetzt klimamäßig ausgleichen wollten, dann müssten wir dazu eine Handlungsgrundlage des Landes haben, die es aber aktuell nicht gibt. Denn wir geben ja Steuergelder aus. Praktisch müsste also die Landesregierung eine entsprechende Regelung treffen.

  2. Hi Anna

    Ich hätte echt nie gedacht, dass Fliegen so viele Emissionen verursacht! Ist das bei der Berechnung schon auf pro Person runter gerechnet?

  3. @Michael Thein: Vielen Dank für die Antwort. Das ist ja echt ziemlich mau. Wie schade, dass die Uni da selbst nichts tun kann.

    @Denis Reinhardt: Danke Dir auch für Deine Antwort. Ja, das ist schon auf pro Person runter gerechnet.

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