Die ersten Tage in Madrid

Abschiedsfest

Abschiedsfest

„Caminante, no hay camino, se hace camino al andar.“ – “Reisender, es gibt keine Wege, Wege entstehen im Gehen.“ – Nach einem Gedicht von Antonio Machado

Abschiedsfest

Gemeinsam mit meiner Familie habe ich ein Abschiedsfest geplant, das zwei Tage bevor ich flog stattfinden sollte. Ich machte mir Gedanken über Deko, Sangria, spanische Vorspeisen und Nachspeisen, was mich wunderbar von dem Grund ablenkte, weshalb wir dieses Fest überhaupt veranstalteten. Den ganzen Sonntag verbrachten wir mit Vorbereitungen. Ursprünglich sagten meine Eltern wir halten das Ganze schlicht und einfach, werfen ein paar Würstchen auf den Grill und organisieren drei bis vier Salate. Im Endeffekt ist es, wie immer, ein bisschen eskaliert: Alle haben sich total viel Mühe gegeben und die tollsten spanischen Tapas gezaubert! Ein Freund von meinem Vater ist Spanier und hat Paella gekocht. Mit jedem Gast habe ich ein kleines Polaroid Foto gemacht, das mich nach Spanien begleiten darf. Es war einer der schönsten Abende des Jahres! Für meine Verhältnisse habe ich recht wenige Tränen vergossen und die Anwesenheit meiner Liebsten sehr genossen. Es war der beste Abschied, den ich hätte haben können.

Das Packen fiel mir tatsächlich gar nicht mal so schwer. Meine liebsten Sommerklamotten fanden Platz in meinem Koffer und dann packte ich noch einen weiteren mit Winterpullis, den mir meine Schwester bald mitbringen wird.

Abschied

Wovor es mir am meisten graute war der Abschied von meiner Familie, meinem Freund und der Fahrt zum Flughafen. In meiner Vorstellung saß ich eineinhalb Stunden heulend im Auto. Doch dem war gar nicht so. Die Tränen überkamen mich erst, als ich den Flughafen sehen konnte und dann realisierte, dass ich bald allein sein werde.

Was ich bisher gelernt habe ist, dass es gar nicht schlecht ist, die Gedanken wegzuschieben und sich abzulenken, denn wie in dem spanischen Zitat am Anfang so schön gesagt, entstehen die Wege während dem Gehen. Alles fügt sich irgendwie. Darauf vertraue ich zumindest.
Mama und Papa brachten mich bis zur Sicherheitskontrolle. Dieser Abschied war nochmal sehr schwer. Habt ihr schon einmal Tränen in den Augen eures Vaters gesehen? Ich für meinen Teil kann das an einer Hand abzählen.

Die einzelnen Stationen des Flughafens passierte ich wie in Trance, immer darauf bedacht mich zu beruhigen und die Tränen zurückzuhalten.
Im Flugzeug las ich den Reiseführer, den ich von meiner Familie geschenkt bekommen hatte und die Trauer wandelte sich in Vorfreude. Vor allem als ich las, dass in Madrid jeden Sonntag der größte Flohmarkt Europas stattfindet!

Bei der Landung bestaunte ich die trockenen Felder aus Braun- und Ockertönen und ließ mich von einer Welle an Emotionen überschemmen, als das Flugzeug den Boden erreichte und ich somit zum ersten Mal spanischen Grund unter den Füßen hatte! Auf dem Weg zum Gepäck traf ich auf einen Deutschen, der genauso verloren schien, wie ich mich fühlte (doch wahrscheinlich sah ich dreimal so verloren aus wie er). Also taten wir uns zusammen und fanden unseren Weg zur Innenstadt. Mein Zimmer hatte ich ca. drei Wochen zuvor über housinganywhere.com gefunden. Wenn man in Spanien ein Zimmer auf Zeit sucht, gibt es einige Webseiten, die alle einen ähnlichen Dienst anbieten. Man muss dabei eine Servicegebühr zahlen, die mal mehr mal weniger hoch ausfällt. Mir war es das allerdings wert, ich wollte gerne direkt ankommen und mich wohlfühlen. Ansonsten kann man sich die ersten Tage auch in ein Hostel oder AirBnb einmieten und von hier aus z.B. über idealista.es suchen.

Jedenfalls war ich sehr überrascht, als ich aus der Metro kam und ein Mädchen auf mich wartete, das mir die Tür zu meinem neuen Zuhause öffnete. Ich hatte zwar Kontakt zu der Vermittlung, doch ich konnte kaum glauben, dass bisher alles glatt gelaufen war und die Wohnung tatsächlich existierte. Drinnen angekommen traf ich direkt auf meine Mitbewohnerin aus den Niederlanden, die sich total freute nicht mehr alleine in der 5er WG zu sein. Das Telefonat, das daraufhin mit meiner Schwester und meinem Papa folgte, war ein aufgeregtes Durcheinander von sich überschlagenden Wörtern und ich wusste die ganze Zeit nicht so recht, ob ich lachen oder weinen sollte. Meine Gefühle ließen sich  nicht zuordnen und ich fürchtete vor lauter Emotionen in meinem Bauch zu platzen. In der Nacht schlief ich zwar gut, doch ab und zu wachte ich auf und spürte eine angenehme Aufregung in mir. Als ich am Morgen erwachte, kribbelte es am ganzen Körper.

Meine ersten Schritte durch Madrid führten mich zu Citylife Madrid, bei denen ich mein Metroticket abholte. Citylife ist eine Organisation, ähnlich wie ESN Erasmus Student Network, die nahezu jeden Tag Events anbieten und am Wochenende auch Trips zu verschiedenen Städten, damit man Kontakte knüpfen kann. Auf ihrer Webseite fand ich den Tipp, dass man die Metrokarte online bestellen und nach seiner Ankunft in ihrem Büro abholen kann. Was super war, denn unter 26 zahlt man für 30 Tage 20 Euro und allein an zwei Tagen hatte ich bereits 12 Euro für die Metro ausgeben!

An meinem ersten Abend kochte ich gemeinsam mit meiner Mitbewohnerin und nahm mir für den nächsten Tag vor die Erfahrung zu machen, wie es ist, alleine loszuziehen und die Stadt zu entdecken. Ich fand es schön einfach so drauf loszulaufen ohne den Druck alles sehen zu müssen und abzuhaken, den man bei Städtetrips manchmal verspürt. Doch ständig schickte ich meinem Freund Sprachnachrichten, erzählte ihm, was ich entdeckte und wollte es mit jemandem teilen. Im Endeffekt endete mein Ausflug in Shopping, was die Traurigkeit verdrängte – Madrid hat so tolle Läden. Ich werde mir einen weiteren Koffer kaufen müssen!!

Welcome Day

Am 31.09. fand der Welcome Day an der Uni in Leganés, einem Stadtteil außerhalb von Madrid, statt. Im Internet steht überall, dass man am schnellsten mit den Cercanías (Zug) hinkommt, doch da ich die Metro schon kannte, wollte ich lieber diese nehmen. Hier ging dann zum ersten Mal etwas schief: Die Metro, in die ich umsteigen wollte, war gesperrt und ich musste den Bus nehmen. Also stieg ich ein, schaute aus dem Fenster und dachte ich erkenne den Bahnhof von Leganés schon, wenn ich ihn sehe. Haha, war wohl nichts. Ich fuhr viel zu weit und musste den nächsten Bus wieder zurücknehmen. Da war ich dann mal wieder kurz den Tränen nahe, ermahnte mich jedoch selbst: „Du brauchst nicht zu heulen, das war deine eigene Dummheit!“

Danach ging es wieder. Tatsächlich kam ich auch genau fünf Minuten bevor die nächste Gruppe mit den Nachnamen H-Z an der Reihe war, um ihr certification of arrival abzuholen. Zuerst sprach ich zwei schöne Mädchen aus Norwegen an und später traf ich eine Gruppe Deutscher. Nach den Begrüßungsreden einiger wichtiger Personen, gab es in der Cafeteria Tapas und man konnte sich kennenlernen. Zu meiner Erleichterung traf ich sogar zwei nette deutsche Mädchen, die das gleiche studieren wie ich. Somit hatte sich mal wieder alles verselbstständigt und meine Sorgen in Luft aufgelöst. Am Abend ging ich mit den deutschen Mädels zum ersten Mal Tapas essen und Tinto de Verano trinken und hatte das Gefühl schon richtig angekommen zu sein.

mein erstes Tapas in Madrid

Tapas im 100 Montaditos

Liebe Grüße aus Madrid, Lynn

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