Wilkommen auf dem „marché“

Die Marktstände unter den Kastanienbäumen

Nach etwa sechs Wochen in Seoul  brauche ich dann doch etwas Abwechslung von dem typischen traditionellen Markt um die Ecke, auf dem Reiskuchen, immer die gleichen Sorten Obst und Gemüse, Banchan (Beilagen) und Kimchi (eingelegtes Gemüse) angeboten werden. Daher nehme ich euch an diesem Sonntag mit auf den „marché“ im Marronier Parc.

Ein Marktspaziergang unter Kastanienbäumen

Diesen Sonntag wollte ich wieder etwas neues erleben anstatt den Tag im Wohnheim zu verbringen. Da ich so viel von den Märkten hier in Seoul gehört hatte, habe ich im Internet gesucht und bin auf den farmer’s market im Marronier Park gestoßen. Um dorthin zu kommen, muss man nur mit der Metrolinie 4 von der Sungshin Uni Station zwei Haltestellen weiterfahren. Wenn man an der Station Hyewha den zweiten Ausgang nimmt, liegt der Park direkt auf der linken Seite. Er findet jeden zweiten Sonntag im Monat von 11 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags statt. Im Gegensatz zu anderen traditionellen Märkten strahlt der 마르쉐 („marché“, der französische Begriff für einen Markt), wie er auch noch genannt wird, eine ruhigere Atmosphäre aus. Die meisten Stände bestehen nur aus einem Tisch und einem Sonnenschirm, unter den Kastanienbäumen (daher der Name Marronier Park) sind Tische und Stühle zum Essen platziert und in der Mitte des Marktes kann man sich im Schatten auruhen und Live-Musik zuhören. Trotz der vielen Leute, die an diesem Tag den Markt besucht haben, habe ich mich hier etwas entspannter gefühlt als in den unruhigen Einkaufsvierteln der Stadt. Die Lage des Marktes unter den Bäumen und die Produkte, welche die Verkäufer angeboten haben, erinnerten mich eher an einen Markt in Südfrankreich.

Was kann man auf dem Markt kaufen?

Am ersten Stand konnte man Blusen und Kleider aus Leinenstoff, bedruckte Handtücher und Schals kaufen. Der nächste Stand lockte mit handgemachten Keramikschüsseln und -Tassen. Andere Dinge, die angeboten wurden, waren zum Beispiel Pflanzen und Töpfe, selbstbestickte Taschen, Kerzen, Bilder und Malereien. Die angebotenen Lebensmittel sin Ausdruck des allgemeinen Trends, dem auch dieser Markt folgt: lokale und saisonale Produkte, biologisch und ohne Gentechnik angebaut. Verkäufer werben außerdem mit Shike, einem süßen Getränk aus Reis, mit Kaffees, Tees oder Wein aus der ganzen Welt. Man findet Kakaonibs (Kakaobohnensplitter) und rohe Desserts aus Datteln und Früchten. Manche der angebotenen Lebensmittel haben mich wirklich eher an die Provence erinnert als an Asien, zum Beispiel Fladenbrote, sebstgemachte Pestos oder Olivenbrot. Auch die Auswahl an Obst und Gemüse sind eher ausgefallener: hier findet man besondere Gewürze, spezielle Arten von Pfirsichen oder Melonen oder sogar ungewöhnlichere Kochzutaten wie Zucchiniblüten.

Kleider aus Leinenstoff, Geschirrtücher und Kerzen

 

Aquarell-Malereien und Zeichnungen

 

Decken, handgemachte Körbe und Tischdecken

 

Handgemachte Tassen, Schüsseln und anderes Geschirr

 

Selbstgemachte Kerzen und Seifen

 

Kürbisse, Salate, Zucchiniblüten oder getrocktete Rosenknospen – hier findet man alles für eine augefallenes Menü.

 

Dieser Künstler verkauft seine Werke- und Topfpflanzen.

 

Obst, Gemüse, Kräuter und weitere Kochzutaten

 

Mittagessen? Auch das findet man auf dem Markt

Geht man an diesen Händlern vorbei, gelangt man bald zu den Essensständen, wo man sich direkt ein Mittagessen kaufen kann. Etwas, das mir hier sehr gut gefallen hat, ist, dass auf dem Markt keine Einweg-Plastikverpackungen und Plastikgeschirr ausgeteilt wird. Die Besucher bringen entweder Plastikdosen und Geschirr von Zuhause mit oder sie können gegen ein Pfand Geschirr benutzen, welches in einer improvisierten Spülküche gesäubert wird und später wieder zum Einsatz kommt.
Dann kann man sich unter den Bäumen einen Platz suchen und in Ruhe sein Essen genießen. Die Auswahl reicht von verschiedenen Salaten, Sandwiches, Gemüsepfannen und gegrilltem Fleisch bis zu selbstgebackenen Kuchen und Macarons. Ich habe sogar relativ einfach etwas vegetarisches gefunden, anders als auf den meisten Streetfood-Ständen und Restaurants. Meine Wahl fiel auf Tofu-Kimbab (ähnlich einer Sushirolle wird Reis mit einer Füllung von Tofu und verschiedenem Gemüse in ein Blatt Seetang gewickelt- man sagte mir das sei etwa die koreanische Version eines Sandwiches oder eines belegten Brotes, da es praktisch zum Mitnehmen ist). Will man die angebotenen Gerichte probieren, sollte man sich jedoch beeilen oder etwas früher zu Mittag essen- als ich um halb eins auf dem Markt angekommen bin, waren einige der Gerichte schon ausverkauft.

 

Wenn man noch einen Platz findet kann, man unter den Bäumen sein Essen genießen.

 

Tofu Kimbap – eine Reisrolle umwickelt mit einem Seetangblatt und gefüllt mit Tofu und Gemüse

Aber ich habe nicht auf dem Markt gegessen, sondern bin weiter zu einem anderen Ort ganz in der Nähe gewandert: dem Naksan Park.

 

Eine kleine Auszeit im Naksan Park

Steht man am Anfang des Marronier Parks und schaut nach links, sieht man eigentlich schon den Naksan Park, der auf einem Berg liegt. Ich bin keinem speziellen Weg gefolgt, aber habe trotzdem den Park erreicht, indem ich immer nur in die Richtung der Bergspitze gelaufen bin. Der Weg schlängelt sich zwischen den Bäumen hindurch, bis man die Spitze des Berges erreicht und unterwegs stehen immer wieder Bänke oder kleine Aussichtspavillions, wo man sich ausruhen kann. Ich bin bis zum großen Aussichtspunkt gewandert und habe dort mein Mittagessen gegessen und die Aussicht bewundert. Seit ich in dieser Stadt angekommen bin, suche ich ständig nach ruhigen Plätzen an denen wenige Leute sind und man in Ruhe die Natur genießen kann. Ich war wohl nicht darauf vorbereitet, wie sehr ich das in dieser Stadt vermissen würde. Obwohl dieser Park einem eine kleine Auszeit erlaubt, merkt man doch, dass man immer noch in einer Großstadt ist. Egal in welche Richtung man sich dreht, ist man noch umgeben von Hochhäusern und Baukrans und zwischen dem Rascheln der Bäume und des Vogelzwitscherns schallt noch der Lärm von Baustellen und Autogehupe. Es ist eben nur ein kleines Stück Natur inmitten von Seoul.

Blick auf die Stadt von dem höchsten Punkt des Naksan Parks

 

Einen Eindruck von der Größe der Stadt gibt einem diese Aussicht – das ist nur ein Bruchteil von Seoul!

 

 

Blick auf die Stadt und einen Teil der alten Stadtmauer von Seoul

 

Ein Blick „durch“ die alte Stadtmauer hindurch

 

Was würdet ihr euch von diesem Markt mit nach Hause nehmen? Ich werde auf jeden Fall vor der Heimreise noch einmal sonntags hier vorbeischauen.

Bis zu meinem nächsten Blogpost, liebe Grüße aus Seoul!

Anne 🙂

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