Sich mit den lokalen Gepflogenheiten bekannt machen

Bevor man in ein anderes Land mit fremder Kultur reist, sollte man sich wahrscheinlich vorab ein wenig damit beschäftigen. Ich habe das nicht getan. Wie ich damit bis jetzt zurecht kam? Überraschend gut!

Ich habe mich nicht wirklich viel mit dem Abschnitt „China“ aus dem Knigge beschäftigt, bevor ich hier her kam. Ich wollte es einfach auf mich zukommen lassen und ohne Erwartungen, Vorurteile oder ähnlichem einfach China erleben. Damit bin ich auch ziemlich gut zurechtgekommen. Die Chinesen sind aber auch ein nettes Volk! Ich habe einfach alles so gemacht wie in Deutschland. Immer schön „Danke“ und „Auf Wiedersehen“ gesagt. Wie man sich eben verhält als freundlicher Austauschstudent.

Kämpfe gegen deinen inneren Deutschen an!

Eines Tages wurde mir dann von einem Freund erzählt, dass man das hier gar nicht so macht. Jemandem „Auf Wiedersehen“ zu sagen, ist so, als würde man sich über ihn stellen. Das erklärt, warum ich nie eine Antwort auf mein „Auf Wiedersehen“ bekommen habe. In Xiamen ist es üblich Leuten ein „lauf langsam“ mit auf den Weg zu geben. Unter Freunden ist ein „Auf Wiedersehen“ jedoch auch nicht mehr so schlimm. Ähnlich verhält es sich mit dem übermäßigen Gebrauch von „Danke“. Die Chinesen empfinden dies als Oberflächlich. Ohje, dieses Bild eines Deutschen habe ich also in China hinterlassen: Arrogant und oberflächlich… Aber wie gesagt, die Chinesen sind ein sehr nettes Volk und haben mir nicht den Kopf abgerissen.

Was auch nicht wirklich gerne gesehen wird ist Trinkgeld. Das wusste ich zum Glück bereits. (Ein Fettnäpfchen umgangen!) Trinkgeld wird hier eher als Almose angesehen. Ich habe mir gestern die Haare schneiden lassen (trotz Sprachbarriere ging alles gut) und ich war echt mit dem Ergebnis zufrieden und wollte dem Friseur etwas Gutes tun. Ich musste, wie so oft, gegen meinen inneren Deutschen ankämpfen, um nicht erneut arrogant zu wirken. (Ich habe dann auch wieder von anderen Freunden erfahren, dass es teilweise doch dankend angenommen wird.)

Die Frage: „Hast du etwas gegessen?“ hat hier auch eine andere Bedeutung. Versucht es in den Kommentaren zu erraten.

Lass deinen inneren Deutschen auch ruhig mal panisch vor sich her schreien!

Was sich für mich auch extrem seltsam angefühlt hat, ist es von A nach B zu laufen. Neben Fußgängern gibt es auch noch Fahrräder, E-Scooter und Verkaufsstände auf den Fußgängerwegen, die wie in einem Ameisenhaufen durcheinander wuseln. Auf den Straßen sieht es genau so aus. Meistens geht man auch auf den Straßen, was meinen inneren Deutschen deutlich nervös gemacht hat. Die scheinbar einzige Regel ist: Autos bleiben von den Fußgängerwegen weg. Sonst ist alles möglich!

Fahrrad fahren ist ebenfalls ein Erlebnis. Es wird abenteuerlich auf den Straßen Chinas. Selbst Fahrrad fahren ist da natürlich auch abenteuerlich, jedoch bei weitem nicht so schlimm wie man es sich vorstellt. Auch hier ist alles möglich! Lediglich von Autobahnen sollte man sich als Fahrradfahrer fernhalten.

Letztens sind wir mit dem Taxi nach Hause gefahren. Ich habe hinten auf der Rückbank gesessen und musste feststellen, dass es keine Anschnallgurte gibt. Mein innerer Deutscher schreite panisch um Hilfe. Aber wie dieser Blog-Post beweist, ich bin gut angekommen und auch bei den anderen Sachen hört es sich schlimmer an als es in Wirklichkeit ist. Die Menschen hier fahren eher mit der Hupe als mit dem Gas-Pedal. Deshalb kommt es, trotz des anscheinenden Chaos, wahrscheinlich seltener zu Unfällen als man es erwarten würde. Also ich habe hier noch nie einen Unfall erlebt. Und laut Statistik gab es 2011 210.812 Verkehrsunfälle in China. Im selben Jahr gab es in Deutschland 306.226 Verkehrsunfälle mit Personenschaden. Wobei hier wahrscheinlich Verkehrsunfälle anders definiert sind und natürlich die Anzahl der Autos auch noch eine Rolle spielen.

Fazit

In China läuft eben vieles anders als in Deutschland. Da ist es kein Wunder, dass einem so manches seltsam vorkommt und das ein oder andere hier vielleicht als genauso seltsam empfunden wird. Grundsätzlich ist es so wie bei jeder Kultur: es ist eben anders und das ist auch gut so! Man muss sich einfach darauf einlassen und auch mal den inneren Deutschen schreien lassen. Letztendlich ist es wie bei meinem Beitragsbild. Ich bin hier auf kultureller Ebene ein Alien wie das Maskottchen und muss mich erstmal mit allem vertraut machen.

Habt ihr im Ausland auch etwas erlebt, was euch total verwirrt hat oder euren inneren Deutschen panisch schreiend umherrennen ließ? Lasst mir ein Kommentar da. Ich freue mich eure Geschichten zu hören!

Bonus: Wie leiht man in China ein Fahrrad aus?

Hier gibt es an fast jeder Ecke solche Leihfahrräder, diese kann man ganz einfach mit der Universal-App „Alipay“ ausleihen. Einfach den QR-Code Scannen, und es kann losgehen. Der Service kostet €1,50 für 30 Tage. Leider darf man die Fahrräder nicht mit auf den Campus nehmen.

2 Kommentare

  1. Ich bereite mich auch selten auf ein Land vor und lass erstmal alles auf mich wirken, wenn ich dort bin.

    In Vietnam hat anfangs mein*e innere*r Deutsche*r jedes Mal laut geschrien, wenn ich über die Straße gehen sollte. Egal ob Ampel oder nicht: Die Autos, Roller, etc. fahren einfach und zwar ohne gewisse Ordnung. Nach einer Woche habe ich dann festgestellt, dass sie einfach um mich herumfahren, wenn ich langsam im gleichmäßigen Tempo über die Straße gehe. 😀

    Äh, und bezüglich „Hast du etwas gegessen?“: Ich bin gerade so unkreativ, aber vielleicht kommt die Frage unhöflich, weil sie unterstellt, dass der Mensch gegenüber nicht genug Geld für Essen hat?!

  2. Hi Anna,

    genau so ist es hier! Die fahren einfach wie sie wollen nehmen aber irgendwie dann doch Rücksicht.

    Du bist nah dran! Es bedeutet so viel wie „geht es dir gut?“ Früher (ganz früher) war Essen mit Wohlstand gleich gesetzt (was heute ja auch nicht falsch ist). deshalb hat man sobald jemand etwas gegessen hatte auch gleichzeitig gewusst, dass es der Person gut geht. 🙂

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