Was bedeutet für mich eigentlich Nachhaltigkeit?

„Ich habe gelernt, dass man nie zu klein dafür ist, einen Unterschied zu machen.“ – Greta Thunberg

Schon bemerkenswert, was für eine weltweite Bewegung aus Gretas Schulstreik fürs Klima geworden ist, oder? Passend zu diesem aktuellen Thema, widme ich mich quasi dem Königsbeitrag auf meinem Blog „Sustainable Steps“. Seit 2012 beschäftige ich mich nun schon mit dem Thema Nachhaltigkeit. Was ich alles mit dem Thema verbinde, erfährst Du in diesem Blogpost!

Mein Papa hat mich als Kind immer ermahnt, das Licht auszumachen, wenn ich ein Zimmer verließ. Hatte ich es in meiner kindlichen Unbeschwertheit mal vergessen, durfte ich mir danach immer eine Predigt darüber anhören, dass Strom Geld kostet und Energiesparen daher wichtig ist. In erster Linie zählte hier für ihn aber nur die finanzielle Motivation. Dass Energiesparen auch eine ökologische Verantwortung mit sich bringt, ist mir erst später klar geworden.

Mein Weg zur Nachhaltigkeit 

Ich bin auf dem Land groß geworden und habe oft draußen gespielt, erforschte kleine Bachläufe und streunte durch die umliegenden Wälder. Ich liebte es den Verlauf der Jahreszeiten in der Natur zu beobachten. Meine Naturverbundenheit ist mit den Jahren weiter gewachsen und mit der Zeit ist der Wunsch entstanden, dass meine eigenen Kinder auch einmal so frei in der Natur spielen können, wie ich vor 20 Jahren. Ich wollte mehr über Umweltschutz lernen. So entschied ich mich nach meinem Schulabschluss ein Freiwilliges Ökologisches Jahr zu machen.

In dem Jahr habe ich vieles gelernt. Meine Einsatzstelle, die Schutzstation Wattenmeer e.V., ist Bildungspartner für Nachhaltige Entwicklung. Eine meiner Aufgaben bestand darin, unseren Gästen mit auf den Weg zu geben, warum es wichtig ist, einen nachhaltigen Lebensstil zu wählen. Damit ich den Gästen authentisch begegnen konnte, stand es für mich außer Frage, mich selbst mit dem Thema zu beschäftigen. So begannen meine Recherchen via Blogs, Bücher, Dokumentationen, Workshops und (seit ich studiere auch) wissenschaftliche Berichte.

Doch nicht nur durch die Arbeit in meiner Einsatzstelle, sondern auch auf den Bildungsseminaren, die über das ganze Jahr verteilt waren, sammelte ich Erfahrungen. Zu Beginn des Jahres haben wir viel über die Ökologie des Wattenmeeres, die Betreuung von Schutzgebieten und nachhaltige Bildungsarbeit gelernt. In der zweiten Hälfte des Jahres stand unser Konsumverhalten und die Ernährung auf dem Programm.

Nach dem Jahr ging es nicht mehr nur um Naturschutz. Es ging auch um die sozialen Herausforderungen wie zum Beispiel Ernährungssicherheit und Gleichberechtigung, aber auch die Anerkennung der ökologischen Grenzen des Wirtschaftens – Stichworte wie Minimalismus und Konsumkritik fallen mir da an erster Stelle ein.

In einer Mindmap habe ich mal gesammelt, was ich mit dem Thema Nachhaltigkeit verbinde:

Was fällt mir eigentlich alles zum Thema Nachhaltigkeit ein?

Nachhaltige Entwicklung

Nachhaltigkeit ist vielfältig und bunt. Die drei Säulen der Nachhaltigkeit, die ökologische, die sozial-kulturelle und die ökonomische, stehen in Beziehung zueinander. Ein Gleichgewicht zwischen den Säulen ist notwendig, damit Nachhaltigkeit funktionieren kann. Und Nachhaltigkeit ist kein statischer Zustand, sondern vielmehr ein Prozess. Daher kommt auch der Begriff nachhaltige Entwicklung.

Wie diese Entwicklung konkret aussieht kann im Grunde jeder Mensch erst einmal selbst entscheiden. Viele Regierungen, Städte und Kommunen orientieren sich an den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs = Sustainable Development Goals), die 2015 auf dem UN-Nachhaltigkeitsgipfel verabschiedet worden sind und haben sogenannte Nachhaltigkeitsstrategien entworfen, die Methoden enthalten, diese Ziele umzusetzen.

17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung

Vom 19.- 21. Mai findet in Berlin das Festival der Taten statt. Es bietet für Menschen zwischen 18 und 35 Jahren die Möglichkeit sich für die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung einsetzen. 500 Teilnehmenden aus ganz Deutschland werden sich einen Tag lang einzigartige Ideen und Aktionen zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung erarbeiten und am nächsten Tag werden die Ideen im Pitch vor allen Teilnehmenden vorgestellt. Gemeinsam mit Freunden habe ich mich für das Festival angemeldet und ich bin sehr gespannt, was mich erwartet und mit wie viel Inspiration ich nach Trier zurückkehren werde.

Was Nachhaltigkeit für mich bedeutet

Aus der kindlichen Intention heraus, meinen Kindern eine intakte Natur zu hinterlassen, in der sie unbeschwert spielen können, ist für mich ein Lebensstil geworden, der den Versuch wagt, so zu handeln, dass auch die zukünftigen Generationen dieselben Chancen auf ein erfülltes Leben haben, wie wir. Das funktioniert nur wenn viele Menschen wissen, was Nachhaltigkeit bedeutet und danach leben. Ziel ist es, jedem Menschen die Fähigkeit zu geben, die Zukunft aktiv und eigenverantwortlich mitzugestalten. Weltweite Zusammenhänge und Ursachen von Problemen zu erkennen, zu verstehen und zu lösen. Nicht als einzelne Person, sondern als Team.

Was ich bisher lernen durfte

Es gibt nicht den einen Weg nachhaltig zu leben. Es gibt viele verschiedene Wege ein nachhaltiges Leben zu führen. Ich persönlich versuche auf meine Intuition zu hören. Für mich ist es wichtig, dass ich mich bewusst entscheide und erkenne, dass mein Verhalten globale Auswirkungen haben kann. Durch die bewusste Entscheidung fühlt sich mein nachhaltiger Lebensstil auch nicht wie ein Verzicht an, sondern eher wie eine Bereicherung. Ein nachhaltiger Lebensstil ermöglicht es mir im Einklang mit meinen Werten zu leben.

Was ich auf meinem bisherigen Weg noch lernen durfte: geduldig sein und die Perfektion rausnehmen. Von jetzt auf gleich alles komplett umzustellen funktioniert nicht, denn Nachhaltigkeit ist ein Prozess. Das hat ja auch mit Motivation zu tun. Setzte ich mir unrealistische Ziele und erreiche diese nicht, bin ich frustriert und lasse es vielleicht ganz bleiben. Doch mit kleinen Schritten habe ich nach und nach immer weitere Bereiche entdeckt, in denen ich mein Verhalten nachhaltig gestalten kann. Und ich freue mich auf alle weiteren „sustainable steps“.

Vielleicht klingt das sehr idealistisch oder auch utopisch und auch ich habe kein reines Gewissen, aber ich versuche trotzdem jeden Tag aufs Neue den Weg der Nachhaltigkeit zu wählen, weil es mir wichtig ist! Und ich möchte keinem Menschen vorschreiben, wie er zu leben hat – vielleicht nur ein bisschen inspirieren, wie es funktionieren kann.

Und nun?

Folgende Fragen, die ich mir stelle, können auch Dir bei deiner Entscheidung für einen nachhaltigen Lebensstil helfen:

  • Wie möchte ich mich ernähren? Brauche ich jeden Tag Fleisch? Sind Milchprodukte okay? Kommen meine Lebensmittel aus der Region oder von einem anderen Kontinent? Für was stehen die Firmen, die meine Süßigkeiten herstellen? Muss ich Wasser in Plastikflaschen kaufen?
  • Wo wird eigentlich meine Kleidung produziert und werden die Arbeitskräfte fair bezahlt? Woraus besteht meine Kleidung? Kann ich gebrauchte Kleidung anziehen? Was ist eigentlich eine Kleidertauschbörse?
  • Wie viel brauche ich tatsächlich zum Leben und welche Produkte sind Luxusgüter? Wäre es nicht viel cooler nur fünf Kisten, anstatt zehn ein- und auszupacken, wenn ich umziehe? Welche Dinge in meinem Zimmer habe ich seit einem Jahr nicht mehr benutzt?
  • Kann ich auf meinen „Kaffee zum mitholen“ verzichten, wenn ich meinen Mehrwegbecher vergessen habe? Kann ich beim Bäcker auch meinen eigenen Baumwollbeutel anstatt die Brötchentüte verwenden? Wann gehe ich endlich mal zu diesem unverpackt Laden hier in Trier?
  • Brauche ich ein eigenes Auto, wenn ich in der Stadt lebe oder ist Carsharing eine Option für mich? Muss es noch ein Retreat auf Teneriffa sein oder finde ich etwas Vergleichbares, wo ich nicht hinfliegen muss?

Fun Fact: Die Anfänge der Nachhaltigkeit kommen übrigens aus der Forstwirtschaft. Ende des 18. Jahrhunderts hat Carl von Carlowitz erkannt, dass man nur so viel Bäume fällen sollte, wie auch wieder nachwachsen, damit die nachfolgenden Generationen die Ressource ebenfalls nutzen können.