Flucht aus der Stadt

Blick auf die Tatras vom Salzigen Felsen (Sarnia Skała).

Blick auf die Tatras vom Salzigen Felsen (Sarnia Skała).

Und weiter geht die Reise. Weg aus der Stadt und raus in die Berge!

Ach, das Studentenleben! Und doch braucht man manchmal Abstand von Parties, Uni-Seminaren und dem Alltag. Also noch schnell das Wetter ausgenutzt, bevor der Herbst so richtig ungemütlich wird. Auf eigene Faust ging es spontan ins Tatra-Gebirge im Süden von Polen. Kommt mit auf unsere kleine Tour!

Die Stadt Zakopane

Wer in Polen in den Bergen wandern oder Ski fahren will, kommt an Zakopane nicht vorbei. Die urige Stadt ist Anlaufstelle für viele Touristen und dementsprechend aufgebaut: Hotels, Restaurants, lokaler Kitsch. Da die Hauptsaison noch nicht begonnen hatte, war man aber recht ungestört. Zakopane ist ein schöner Kontrast zu Warschau: ruhig, beschaulich, traditionell. Gerade die markanten Holzhäuser, die einen eigenen Architekturstil begründet haben, erzeugen eine heimelige Atmosphäre. An der Straße stehen Händler, die den berühmten geräucherten Schafskäse Oscypek verkaufen. Und die gemütliche Stimmung im Gemeinschaftsraum des hölzernen Hostels, wenn es draußen regnet und man mit den anderen Besuchern in Kontakt kommt, ist kein Vergleich zum lauten Warschau.

Die Tatras

Von Zakopane aus gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um den nahe gelegenen Nationalpark zu erreichen. Hier gibt es mehrere Wanderrouten, Berggipfel und Seen zu entdecken. Jede Szene gleicht einem Postkartenmotiv. Die Wege sind weitestgehend naturbelassen und man muss schon gut zu Fuß sein, um voranzukommen. Doch das gibt einem dieses Gefühl der Verbundenheit mit der Landschaft – ein Foto fühlt sich wie eine Trophäe an, wenn man dafür erst den Gipfel erklimmen musste. Schön ist, dass es verschiedene Schwierigkeitsgrade und miteinander verbundene Routen gibt. Hier kommt man vom Anfänger bis zum Profi auf seine Kosten. Höhenjunkies könnten aber etwas enttäuscht werden – die höchsten Gipfel sind nur um die 2000 Meter.

Der Tatra-Nationalpark

Unsere Wanderung führte durch die Täler der Bergzüge. Die Wege waren so unscheinbar. Man bemerkte erst auf den zweiten Blick, dass die Routen künstlich angelegt worden sind. Eine gewisse Grundfitness ist aber nötig – es geht buchstäblich über Stock und Stein. Aber es lohnt sich: wilde Bachläufe, märchenhafte Baumwurzeln, kein Handyempfang. Abschalten, loslaufen. Alleine ist man dabei nicht. Der Nationalpark ist recht bekannt und man begegnet regelmäßig anderen Wanderern.

Trotzdem – dieser Ausflug war nötig. Ich mag den Kontrast zwischen Großstadtleben und Natur, um eine innere Balance zu bewahren. Die Polen wissen das und der Wald hat traditionell einen hohen Stellenwert. So findet sich in Ostpolen der letze Urwald Europas. Doch wieder bin ich auf Widersprüche gestoßen: Nationalparks sind von Rohdungen betroffen und die Luft in den Städten ist so schlecht, wie sonst nirgends in Europa. Man wandert durch die Tatras und findet Kippenstummel zwischen den Felsspalten. Und schaut noch einmal auf die Bilder vom Gipfel: die bewachsenen Hänge sind von braunen Schneißen voller toter Bäume durchzogen. Wir konnten uns bisher noch keinen Reim darauf machen, was die Ursache hierführ sein könnte. Gerade die heimatverliebten Polen sollten kurz innehalten und nachdenken, was ihnen wichtig ist. Ganz nach dem Motto: Back To The Roots.

Ein Kommentar

  1. Lieber Roman,

    es ist schön zu lesen wie toll du mit Worten jonglieren kannst! Ich kann verstehen, dass du mal aus der Stadt raus wolltest. So ging es mir letzte Woche auch! Wenn man das Großstadtleben nicht gewohnt ist, kann es sehr anstrengend sein.

    Liebe Grüße, Lynn

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