TriVerM-Servicebüro heute geschlossen

Nun läuft es seit einer Weile, mein Trierer Vereinbarkeitsmanagementsystem (TriVerM). Und läuft. Und läuft. Ich entschied: Das Servicebüro bleibt heute mal unbesetzt. Ein ganzer Tag ohne Kompromisse – nur mein Bett, Netflix, meine Gitarre und ich. Herrlich!

Grundsätzlich mag ich…

Grundsätzlich mag ich meinen Job, auch wenn ich manchmal nach kleinkarierten oder unverschämten Beschwerdemails meine neu erlernte Achtsamkeitsatmung anwenden muss, um nicht gleich schreiend auf den Flur hinaus zu rennen und meinen Kollegen nebenan, unschuldig wie er sein mag, mit einer Tirade an nicht sehr jugendfreien Schimpfwörtern zu überfallen. (Ich bestehe übrigens darauf, wo wir schon einmal bei grundsätzlichen Dingen wären, dass es grundsätzlich keine „bösen“ Wörter gibt. Sohn 1 habe ich dazu erklärt: „Es gibt keine bösen Wörter. Nur solche, die Omas im Bus nicht so gerne hören und die man daher am besten nur im Auto oder zu Hause sagt, da dann allerdings gerne auch laut.“ Erklärt habe ich ihm das übrigens, als er gerade mal vier Jahre alt war und im Bus laut „Scheiße“ rief, weil wir womöglich verspätet ins Kindertheater kommen würden. Die ältere Dame auf dem Sitz vor uns schaute mich mitleidig an und sagte: „Jaja, solche bösen Wörter lernen sie im Kindergarten.“ Und ich antwortete daraufhin eben: „Es gibt meines Wissens nach keine bösen Wörter. Falls Sie „Scheiße“ meinten – das kennt er von mir, dazu hätte er nicht in den Kindergarten gemusst!“) Grundsätzlich mag ich meine beiden Jungs. Auch wenn Sohn 2 derzeit gerne mal laut brüllend den Eingang zum Supermarkt blockiert, weil er beschlossen hat, dass er da halt jetzt stehen bleiben möchte. Für immer. Und grundsätzlich mag ich mein Leben, auch wenn es seit Job und Jungs zu fünf Leben geworden ist und eines eigenen Managementsystems bedarf, um alles unter einen Hut zu bekommen.

Aber von Zeit zu Zeit…

Grundsätzlich folgt auf ein Grundsätzlich ein Aber. Aber es gibt diese Tage, an denen will einfach nichts gelingen. Die Achtsamkeitsatmung. Der Vorsatz, nicht zurück zu brüllen. Dann verlassen Mails das Büro im B-Gebäude, die vor Sarkasmus nur so triefen. Dann antworte ich, dass wir hier keine freiwillige Ergo- oder Beschäftigungstherapie für das wissenschaftliche Personal anbieten, sondern Studiengänge akkreditieren. Dann lasse ich das brüllende Kind im Eingang stehen und warte darauf, dass es mir unter den vorwurfsvollen Blicken der anderen Besucher noch lauter brüllend hinterherläuft. Anschließend setze ich Sohn 2 in den Einkaufswagen, atme, atme, atme, und schiebe möglichst entspannt das nun wieder friedliche weil kauende Kind durch die Gänge. Um diesen Zustand in Donald Trumps Twitter-Worten zu beschreiben: „At the right time everyone will come to their senses & there will be lasting peace!“ Gut, ich weiß jetzt nicht, inwiefern da Laugenbrezeln im Spiel waren, als es um Russland ging, aber ich kann es nur empfehlen. Würden die Menschen mehr Laugenbrezeln essen, wäre die Welt ganz sicher friedlicher. Nach solchen Aber-Erlebnissen sehne ich mich nach einem Tag, an dem das komplette Managementsystem Pause macht. Dann frage ich nachmittags auf dem Spielplatz die anderen Vereinbarkeitsmütter, ob es ihnen denn nicht manchmal ganz genauso ergeht wie mir. Und dann höre ich „das kann ich mir nicht leisten“ und „wie stellst du dir das vor“ und „ich schaffe es ja noch nicht mal mehr einmal die Woche zur Gymnastik“.

Sei ein Egoist…

Offensichtlich bin ich anders. Und ich bin überzeugt davon, dass dieses Anderssein nicht nur mich, sondern auch Sohn 2 und Sohn 1 davor rettet, mit einer völlig frustrierten und übellaunigen Frau durch die fünf Leben zu gehen. Bevor ich Mutter wurde, hatte ich eine riesengroße Panik davor, eine dieser stark übergewichtigen Frauen mit praktischer Kurzhaarfrisur zu werden, die ihre süßen Kleinen mit in Merkel gemeißeltem Gesicht alleine nur für deren Existenz anmotzen und seit Jahren keinen Spaß mehr im Leben hatten, geschweige denn Geschlechtsverkehr. Zu meinem Mann habe ich damals gesagt: „Schaue sie dir ganz genau an. Sollte ich einmal so werden, dann erschieße mich bitte auf der Stelle, ohne vorher zu fragen.“ Ja, hier steht es nun schwarz auf weiß: Ich nehme es mir heraus, eigene Hobbies zu pflegen. Ich! Als arbeitende Mutter! Ich treffe mich mit Freunden zum gemeinsamen Musikmachen und schreibe neue Songs. Ich gehe abends noch eine Runde im Unipark laufen, während dann eben der Vater Sohn 2 brüllend durch den Supermarkt dirigiert. Vielleicht gibt es ja vorne an der Theke noch Laugenbrezeln. Und manchmal – der Gipfel der Dreistigkeit – mache ich tatsächlich einfach mal: Nichts. Dann liege ich im Bett, schaue mir nach einem kleinen Schläfchen eine neue Serie auf Netflix an, übe ein wenig Gitarre, lege mich wieder hin für das nächste Schläfchen, und so fort. Und dabei habe ich noch nicht einmal mehr ein schlechtes Gewissen. Schnell noch das Schild rausgehangen: Das TriVerM-Servicebüro bleibt heute geschlossen. Sollen sie doch motzen – im Bett höre ich das sowieso nicht.

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