Ein letzter Herbst-Ausflug

Da mittlerweile in Seoul der Winter mit dem ersten Schnee angekommen ist und ich den bunten Ginkgo– und Ahornbäumen noch hinterher trauere, wollte ich euch noch einmal zeigen, wie schön der Herbst hier in Korea ausgesehen hat. Kommt mit mir raus aus Seoul auf die „Fall Foliage Tour“.

Der Lake Majang

Spaziergang im Jangju Nari Park

Ende Oktober habe ich mich bei der Reiseorganisation „Play Like Koreans“ für eine Herbsttour angemeldet. Auf Facebook bin ich auf die Seite gestoßen und habe schon weitere Ausflüge mit der gleichen Gruppe gemacht, die mir jedes Mal sehr gut gefallen haben. Diese Tour ist bereits mein dritter Ausflug mit der Play Like Koreans Organisation und dieses Mal standen Orte auf dem Programm, welche besonders während der Herbstmonate wunderschön aussehen.
Treffpunkt am frühen Morgen war die Jamsil Metro Station in Seoul, von der aus es mit einem Reisebus weiterging in den Yangju Nari Park, etwa eine Stunde entfernt nördlich von Seoul. Der Park besteht hauptsächlich aus mehreren großen Blumenfeldern, wobei die Hauptattraktion eine Grasart ist, „Pink Muhly“ (Muhlenbergia capillaris). Im Sommer hat sie eine grüne Farbe und während der Herbstmonate wird sie rosafarben. Viele Besucher kommen im September und im Oktober in den Park, um Fotos inmitten dieses rosafarbenen Meeres zu machen. Speziell dafür stehen sogar auf verschiedenen Plätzen Fotostationen, etwa große Holzrahmen oder eine rote Telefonzelle, in der man posieren kann.

Es gibt hier außerdem noch einen Rosengarten, einen Gemüsegarten und sogar mit Kürbispflanzen überwachsene Tunnel, in denen das Gemüse von oben herab hängt.

Der Lake Majang

Obwohl die Reisegruppe den Pink Muhly Park zum Aushängeschild für die Tour gemacht hatte, war das Highlight des Tages für mich auf jeden Fall den Ort, den wir danach besucht haben: den Lake Majang.

Der Lake Majang

Hier hatten wir drei Stunden Freizeit und konnten in unserem eigenen Tempo um den See wandern. Entlang des gesamten Ufers ist ein Holzsteg angelegt worden, auf dem man unter den gelben, roten und orangefarbenen Blättern spazieren gehen und jeden paar Meter stehen bleiben kann, um Fotos von der wunderschönen Herbstlandschaft zu machen. Es ist schade, dass man auf den Fotos später nie sieht, wie schön es in Wirklichkeit ausgesehen hat – besonders die bunten Bäume, die von der goldenen Mittagssonne beleuchtet worden sind.

Wenn man vom Parkplatz aus etwa eine Stunde um den See geht, kommt man zu der Hauptsehenswürdigkeit: der Majang-Hängebrücke, die mit einer Höhe von zehn Metern und einer Länge von 220 Metern die längste Hängebrücke in Korea ist und erst im März dieses Jahres eröffnet worden ist. Eigentlich habe ich keine Höhenangst oder Angst davor große Brücken zu überqueren, aber das sah gleich ganz anders aus, als ich oben stand, und versuchte die ersten Schritte zu machen. Sieht man sich die Brücke von unten an, sieht sie stabil und unbeweglich aus, aber wenn man darüber geht, merkt man, wie stark sie wackelt und von einer Seite auf die andere schwankt. Außerdem war die Brücke an diesem Tag stark besucht und man konnte immer nur ein paar Schritte machen, bis man auf den Stau Menschen vor sich warten musste. Leute blieben jeden Meter stehen, um Fotos und Selfies zu machen, andere klammerten sich aus Angst am Geländer fest oder sprangen auf der Brücke auf und ab, um ihre Freunde zu erschrecken. Obwohl die Aussicht auf den See von der Mitte der Brücke fantastisch war, war ich froh, als ich auf der anderen Seite wieder heruntersteigen konnte.

Danach legten wir einen kurzen Zwischenstop bei einem Tempel in der Nähe ein. Der Bogwangsa Tempel ist einer der ältesten Tempel in Südkorea. Wer noch Motivation und Energie hatte, konnte einen kleinen Berg zu einer großen Buddha Statue hochsteigen. Es war die Mühe auf jeden Fall wert, denn die Statue ist beeindruckend und die Sicht über den Tempel und die Berge war fantastisch.

Ein Stück Frankreich in Korea? Das „Provence Village“

Den letzten Ort, den wir an diesem Tag besichtigten, war das „Provence Village“ in Paju, Gyeongi-do. Viele Teilnehmer der Tour hatten sich am meisten auf diesen Ort gefreut und ich war gespannt, da ich mit meiner Familie viele Sommerferien in der „echten“ Provence verbracht habe. Ich glaube, das war bei mir aber auch genau der Grund, warum ich von diesem Dorf nicht so besonders begeistert war. Der mit Touristen überlaufene Ort wirkte auf mich eher wie ein Filmset. Bunt gestrichene Häuser reihen sich aneinander, Girlanden und Lichterketten hingen über den Gassen, Pflanzenkübel und verschnörkelte Terrassenmöbel standen überall, wo Platz war. Auf dem „Dorfplatz“ standen Wasserfontänen in Form von Löwenköpfen und lebensgroße Tierfiguren. Der ganze Ort sieht aus wie eine Werbebroschüre in echt, nur wahnsinnig übertrieben und romantisiert. Ich denke, dass ein Besuch in dem künstlichen Dorf den asiatischen Touristen ein Gefühl geben soll, wie es im Süden Frankreichs ist. Jedoch wird es niemanden überzeugen, der schon einmal selbst in der Provence war. Man konnte in den Läden Kleidung, Schuhe, Schmuck, aber auch Dekoration, Kosmetik und Lebensmittel kaufen. Komischerweise kamen aber nicht einmal die angebotenen Produkte aus Frankreich. Die meisten von uns haben die Zeit genutzt, um ein paar Fotos zu machen, einen Kaffee zu trinken oder ein Eis zu essen, bevor es wieder in den Bus zurück nach Seoul ging.

Das Schönste an diesem Tag war für mich eindeutig der lange Spaziergang unter den bunten Bäumen um den See. Ich würde auf jeden Fall jedem, der eine längere Zeit in Korea ist, empfehlen, einmal auf der „Play like Koreans“ Seite auf Facebook vorbeizuschauen und einen Ausflug mitzumachen. Die Ausflüge sind immer interessant, vielseitig und für einen günstigen Preis sieht man viele verschiedene Orte an einem Tag.

Liebe Grüße aus Seoul,

Anne 🙂