Weihnachten in Seoul

Je näher das Weihnachtsfest rückt, desto stärker wird auf jeden Fall das Heimweh und desto mehr freue ich mich darauf, bald wieder mit meiner Familie und meinen Freunden zu Hause die Feiertage zu verbringen. Aber kommt in Seoul richtige Weihnachtsstimmung auf?

Wie erkennt man in der Hauptstadt Südkoreas, dass Weihnachten vor der Tür steht?
Um es kurzzufassen, würde ich sagen: an der Dekoration. Pünktlich am 1. November werden die Halloween-Girlanden und Süßigkeiten aus den Regalen der Läden geräumt und mit roten Weihnachtsmannmützen, Lametta, Schokolade und Christbaumschmuck gefüllt. Viele der Läden, Cafés und Restaurants hängen Lichterketten vor die Tür oder stellen kleine Weihnachtsbäume auf. Ich glaube, dass das Weihnachtsfest für die meisten Unternehmen nur eine weitere Möglichkeit ist, spezielle Produkte zu verkaufen oder mehr Kundschaft anzuziehen. Viele Restaurants und Cafés profitieren davon, um besondere Weihnachtsmenüs, -Gebäck oder –Getränke zu verkaufen. Als Beispiel hierfür habe ich die Karte von Starbucks fotografiert, ein Kaffeehaus, das um diese Zeit zum Beispiel einen „Holiday Latte“ oder einen „Christmas Ice Cream Cake“ verkauft.

Spezielle Weihnachtsgetränke und Kuchen bei Starbucks

Natürlich werden auch alle erdenklichen Weihnachtslieder in Endlosschleife in den Cafés gespielt. Mein Lieblingscafé spielte jedes Mal die gleichen Songs, sodass ich den Ort während der Weihnachtszeit eher gemieden habe. Etwas ungewöhnlich war auch die Musik, die sie in Jeonju gespielt haben, einer Stadt, die ich vor einer Woche besucht habe – das sind bekannte Weihnachtslieder, gespielt mit traditionellen asiatischen Instrumenten:

Fest der Liebe?

Die meisten meiner Freunde, die ich gefragt habe, denken auch dass Weihnachten hier eher ein Fest des Konsums ist als ein „Fest der Liebe“. Auch feiern die Koreaner Weihnachten nicht wirklich. Die Schüler und Studenten haben über die Feiertage nämlich nicht frei, sondern schreiben ihre letzten Examen vor den Winterferien. Andere koreanische Freunde haben mir erzählt, dass Weihnachten hier eher ein Fest für Paare ist als ein Fest für die Familie. In Korea ist das wichtigste Fest, das man mit der Familie feiert, eher Chuseok, das koreanische Erntedankfest, das im September stattfindet. Die meisten essen am 25. Dezember nur zu Hause zusammen mit ihren Familien oder machen nichts Besonderes an diesem Tag. Letzte Woche lud mich eine Freundin in ihre Wohnung ein und wir haben zusammen mit Freunden Kekse gebacken, selbst gemachten Glühwein probiert und Weihnachtslieder gehört. Da die meisten von ihnen aus den USA kommen und zu Hause an ein üppiges Weihnachtsfest gewöhnt sind, organisieren sie hier gerne solche Abende, um sich ein bisschen wie zu Hause zu fühlen. Viele von ihnen sagten mir, dass sie sich manchmal in Seoul während der Festtage einsam fühlen, da sie nicht bei ihren Familien sein können und es in dieser Stadt nichts gibt, was sie wirklich in Weihnachtsstimmung versetzt.

Weihnachtslichter so weit das Auge reicht

Auch in vielen Metrostationen und in der Eingangshalle der Sungshin Universität werden bunt geschmückte Bäume aufgestellt, um etwas Weihnachtsstimmung zu verbreiten.

Weihnachtsbaum in der Sungshin Universität

Der Ort in der Stadt an dem sich die meiste Mühe für die Dekoration gegeben wird, ist meiner Meinung jedoch die Gegend um Myeongdong mit seinen vielen Einkaufsstraßen, Kaufhäusern und Einkaufszentren.

Schon über den Straßen hängen Lichterketten, überall kann man limitierte Weihnachtseditionen seiner Lieblingsprodukte kaufen. Das eindrucksvollste Gebäude ist das prunkvoll geschmückte Shinsegae-Kaufhaus. An der gesamten Fassade hängen bunte Lichter, welche die Farbe wechseln, je nachdem wie der riesige Weihnachtsbaum in der Mitte gerade aussieht.

Dieser Weihnachtsbaum ist nämlich nicht – wie ich am Anfang dachte – nur ein gigantischer Baum, der genauso hoch wie das Gebäude ist, sondern auch ein riesiger Bildschirm, auf dem kleine Filme und Festtagswünsche abgespielt werden- natürlich mit passender Musik. Vermisst man also die Weihnachtsstimmung zu Hause und hat nichts gegen etwas kitschige Dekorationen, empfehle ich auf jeden Fall einen Bummel durch diese Gegend von Seoul.

Ich wünsche euch schöne Feiertage und liebe Grüße aus Seoul,

Anne 🙂