Zeit ist ja bekanntlich relativ

So schnell verging ein halbes Jahr und schon bin ich wieder in Deutschland. Wenn ich mich an Xiamen erinnere, kann ich es kaum glauben, wie viel ich doch in der so kurzen Zeit erlebt habe.

Zurück zu Hause und an der Uni Trier – im Xiamen University Hoodie

 

Die letzten Tage in Xiamen waren wirklich unglaublich. Alles fühlt sich so seltsam an: viele meiner besten Freunde verabschieden sich, jeden Tag treffen wir uns und sagen „Tschüss“ zu einem anderen Mitglied unserer kleinen neu gefundenen Familie. Es ist unglaublich, wie schnell wir zu so guten Freunden geworden sind. Der Abschied fällt schwer und mit jedem Tag wird Xiamen leerer. Das Einzige, was uns tröstet, sind die Versprechen, uns wiederzusehen, in Xiamen oder in unseren Heimatländern. Das Sprichwort: „Man sieht sich immer zweimal im Leben“, bekommt so eine schöne zweite Bedeutung.

Auf einer Postkarte, mit einem Gruppenbild von uns, schrieb jeder seine besten Wünsche und Grüße für die anderen. Ein wirklich schönes Andenken. Die Texte lesen sich wie von kleinen Kindern, die Ihren Kindergarten Freunden „Auf Wiedersehen“ sagen.

Xiamen ist wunderschön! An vielen Wänden findet man Gemälde, die auch als Postkarte durchgehen würden.

Auch für mich hieß es schon bald Zeit zu gehen. Geschockt von dem herannahenden Abreisedatum verbringe ich die letzten Tage in Xiamen. Ich will noch einmal alles sehen, alles machen und so vieles mitnehmen, wie ich nur kann. Also steige ich einfach in unbekannte Busse ein, fahre bis ich etwas Interessantes sehe und steige aus. Zu Fuß geht es weiter bis ich alles gesehen habe. Danach steige ich in den nächsten Bus und begebe mich auf ein neues Mini-Abenteuer. Es fühlt sich alles nicht echt an. Jeden Tag ein kleines Abschiedsessen mit einem anderen Freund. Auch das Nachtleben möchte ich noch einmal voll ausnutzen. Also gehe ich in alle Bars und Clubs, die mir in Erinnerung geblieben sind. Dabei darf natürlich auch das KTV (Karaoke) nicht fehlen! Ich bin einer der letzten, der Xiamen verlässt, nur noch mein bester Freund bleibt länger. So verbringen wir unsere Tage in Xiamen am Strand und philosophieren über das Leben, den Tod, Schicksal und unsere Zukunft.

Ein kurzer Blick auf die Uhr, es ist Zeit zu gehen.

Dann ist der letzte Tag gekommen und ich fliege zurück nach Deutschland. Einerseits froh alte Freunde und die Familie wieder zu sehen, allerdings auch schweren Herzens, da ich viele neu gefundene Freunde zurücklasse.

Aus dem Fenster des Flugzeuges werfe ich einen letzten Blick auf meine ehemalige Heimat auf Zeit. Das war Xiamen wirklich für mich eine zweite Heimat. In Deutschland ist alles so (schön) gleich. Nichts hat sich verändert. Was sehr schön ist, wenn ich meine Familie und Freunde wiedersehe, jedoch fühlen sich manche Sachen einfach veraltet an. Bargeld?! Vieles ist auch dem Größenunterschied der Städte geschuldet. In Xiamen gab es einfach unendliche Möglichkeiten. Hier ist halt alles etwas kleiner.

Es tut gut wieder zu Hause zu sein, jedoch fühlt es sich auch seltsam an. Die Zeit scheint still zu stehen. Von der hektischen Großstadt mit etlichen Deadlines und unendlich vielen Dingen, die es zu tun gibt, in den kleinen verschlafenen Vorort, wo die einzigen Termine Treffen mit alten Freunden sind.

Etwas oder jemanden vermissen

„Sich mit Bedauern bewusst sein, dass jemand, etwas nicht mehr in der Nähe ist, nicht mehr zur Verfügung steht, und dies als persönlichen Mangel empfinden“

Ich habe mal die Definition von vermissen nachgeschlagen, schon vor meiner Abreise habe ich mich oft gefragt, was ich wohl am meisten vermissen werde. Mir war es klar, dass meine Freunde definitiv die größte Lücke hinterlassen werden.

Außerdem vermisse ich das geniale Essen! So etwas gibt es hier einfach nicht. Auch beim „Chinesen“ sind die Gerichte anders und nicht vergleichbar.

Bubble Tea und weitere verrückte Getränke sind auf jeden Fall auch auf meiner Liste. Die Vielfalt an frischen Getränken suche ich hier in Deutschland vergeblich.

Die wunderschöne Natur! Die Xiamen Universität hatte mit einem Schreiben die Stadt als den großen, grünen Smaragd Chinas beworben. Ich habe leider noch nicht ganz China gesehen, jedoch finde ich, dass Xiamen wunderschön ist und die Universität nicht übertrieben hat! Kleiner Geheimtipp für Allergiker: Die Vegetation in China ist einfach anders als hier. Ich konnte also über frisch gemähten Rasen laufen, ohne zu sterben, was ganz schön ist.

Das Klima! Xiamen war für mich ein verlängerter Sommer. Für mich kann es nicht warm genug sein. Im tiefsten Winter kam ich nach Deutschland zurück, was ein extremer Schock war! Ich drehte alle Heizungen voll auf, weil ich so eine Frostbeule geworden war.

Zurück in Trier habe ich dann auch das erste Mal Schnee für diesen Winter gesehen. Ein kleines Wortspiel konnte ich mir nicht verkneifen: „Starker Schneefall“ und „Universität“ haben im Chinesischen den selben Laut. Lediglich die Betonung ist anders.

Mein Fazit

Ich würde jederzeit erneut ein Auslandssemester in Xiamen machen! Xiamen und China waren eine wirklich tolle Erfahrung für mich und haben mir geholfen mich sowohl menschlich als auch akademisch weiterzuentwickeln. Ich habe so sehr davon profitiert dieses Auslandssemester zu machen, dass ich es nur jedem empfehlen kann, sich auf ein eigenes Abenteuer zu begeben. Meine Noten wurden problemlos anerkannt, meine Sprachkenntnisse haben sich sowohl im Englischen als auch im Chinesischen stark verbessert. Mich mit so vielen Menschen aus anderen Kulturen anzufreunden war ebenfalls eine tolle Erfahrung. Die ganzen Erfahrungen, die ich in China gemacht habe, hätte ich hier nie erlebt.

Ein kleiner Rat: Werdet zum Ja-Sager! Geht raus, lasst euch überreden und erlebt etwas.