Jetzt oder Nie!

Collage mit einem wunderbaren Beispiel von japenglischer Werbesprache

Ein Auslandsjahr bringt viele gute Dinge mit sich, aber vor allem bietet es einmalige Chancen. Einmal gratis verreisen, an den Schauplätzen von Martin Scorseses Film Silence über die Geschichte Nagasakis lernen oder als Statistin in einer Fernsehserie mitwirken. Wenn nicht im Auslandsjahr, wann dann?

Willkommen zurück, lange nicht gesehen und vielen Dank fürs Einschalten. Heute, meine lieben FreundInnen und LeserInnen, habe ich Ihnen den Grund Nummer Eins (in Zahlen: 1) mitgebracht, warum man ein Auslandsjahr machen sollte. Okay, vielleicht ist es nicht DER Grund Nummer Eins, aber es ist ein verdammt GUTER Grund. Und weil ich heute meine Spendierhosen anhabe, lege ich noch drei Beispiele oben drauf.

Wer vorher noch einmal einen Überblick lese möchte, wo ich gerade stehe und was ich da so mache, der kann gerne meinen Blog-Artikel für die Deutsche Fakultät der Sophia Universität schmöckern. Achtung: Der letzte Absatz ist ein Spoiler für diesen Artikel!

Zwischen Seminarraum und Semesterferien ergibt sich ’ne Gelegenheit

Ganz ohne Zweifel ist ein Auslandsjahr/-semester eine Zeit des Lernens. Man lernt eine neue Sprache oder vertieft das vorhandene Wissen. Man beschäftigt sich mit einer neuen Kultur, baut sich einen neuen Bekanntenkreis auf. Man belegt Kurse, für die man im eng gestrickten Curriculum der Heimatuni keine Zeit gehabt hätte: Kurse auf Englisch, Japanisch oder anderen Fremdsprachen, vielleicht zum ersten Mal. Wenn alles gut klappt, ist man schnell eingebunden in das Studierendenleben der neuen Universität und spürt gar nicht, wie die Zeit verfliegt.

Zwischen all diesen Dingen funkeln immer wieder einmalige Chancen und Erlebnisse. Eine Gratisreise machen, sich als SprachenlehrerIn ausprobieren, sich auf Festivals unter die Einheimischen mischen. Die Rede ist hier von dieser Art Chancen, von denen man auf den ersten Blick nicht so überzeugt ist. Oder die zu gut erscheinen, um wahr zu sein. Und dann macht man es halt trotzdem. Ganz einfach, weil man nur einmal dieses Auslandsjahr macht. „Wann habe ich denn wieder die Gelegenheit dazu, das mal auszuprobieren?“, sagt man sich. Einmal tief durchatmen, dann geht’s schon los.

Die Gastunis als Katalysatoren

In diesem Zusammenhang möchte ich ein großes Dankeschön an meine Gastuniversitäten aussprechen. Die Sophia Universität zum Beispiel sendet regelmäßig Newsletter, in denen auf Angebote für Austauschstudierende aufmerksam gemacht wird. Aber auch Jobangebote, wie etwa für das Vorstellen der eigenen Kultur in einem lokalen Kindergarten, versprühen das Potential, einmalige Auslandsjahreserinnerungen zu werden. Auch an der Osaka Gakuin Universität gab es häufig Angebote dieser Art. Unvergessen wird für mich beispielsweise die Erfahrung als Glückstochter bleiben, bei der ich als Schreinmädchen zu verschiedenen Zeitungsverlagen und Fernsehsendern gefahren bin, um Glück zu verbreiten. Das schreibe ich heute noch in meinen Lebenslauf („Bitte stellen Sie mich ein, ich bringe Glück. Genau wie die Grille in Mulan.“).

Pow, das hört sich doch ganz schön gut an, nicht wahr? Noch nicht überzeugt? Dann gebe ich hier mal drei Beispiele (in chronologischer Reihenfolge), welche Chancen Ihnen in Tokio über den Weg laufen können.

Erfahren, wie sich ein Reisetester fühlt

Die oben erwähnte Gratis-Reise ist tatsächlich kein aus der Luft gegriffenes Beispiel, auch wenn sie aus der Kategorie „Zu gut, um wahr zu sein“ stammt. Über die Freundin einer Freundin (und wie die dazu gekommen ist, weiß der Himmel) sind besagte Freundin und ich eingeladen worden, an einer Probe-Reisetour für AusländerInnen teilzunehmen. In der eher provinziellen Präfektur Shimane („Hä, wo ist das denn?!“ – „Das ist die Präfektur über der Präfektur Hiroshima“ – „Ach sooo.“) sind ausländische Touristen nämlich spärlich gesät. Die dort angesiedelte Reiseagentur wendete sich daher an eine Firma in Tokio, die Networking unter Austauschstudierenden und Ex-Austaustudierenden betreibt. Über dieses Netzwerk werden auch jetzt noch regelmäßig ähnliche Jobangebote und gratis Events ausgerufen.

Und so begab es sich, dass wir eingeladen waren, drei Tage in Hotels zu übernachten, die ich mir als armes Studentlein sonst nie hätte leisten können. Außerdem wurden wir mit himmlischen Speisen versorgt (der passendere Ausdruck hier wäre „vollgestopft“, aber ich möchte nicht unhöflich erscheinen). Ohne diese Reise wäre ich wahrscheinlich nie auf die wunderbaren kulturellen Schätze dieser Präfektur aufmerksam geworden. Tatsächlich hat Shimane mit dem Weltkulturerbe der Iwami Ginzan Silbermine und Umgebung und dem atemberaubenden Iwami Kagura Schlangentanz eine Menge zu bieten.

Außerhalb des Studienfokusses seinen Horizont erweitern

In den Semesterferien hatte ich die Gelegenheit, an einem Austauschprogramm mit einer anderen christlichen Universität in Nagasaki teilzunehmen. Das wurde ermöglicht durch die Tatsache, dass die Sophia Universität eine christliche Privatuni ist und als international ausgerichtete Uni unzählige Partnerschaften im Aus-, aber auch im Inland unterhält. So wurden wir eingeladen, für eine Woche Nagasaki und dessen kürzlich durch die Decke gestiegene Zahl von Weltkulturerbestätten zu erkunden. Ein lokaler Forscher der christlichen Historie Nagasakis erklärte uns, welche Szenen aus dem Oscar-nominierten Film Silence von Martin Scorsese (basierend auf dem Roman von Shûsaku Endô, Originaltitel chinmoku, erschienen 1966) auf historischen Tatsachen basierten und welche nicht.

Als Bonus dieser Reise wurden alle Teilnehmenden bei japanischen Gastfamilien einquartiert. Was für wundervolle Möglichkeiten so ein Zusammentreffen mit einer Gastfamilie bieten kann, könnt Ihr gerne in meinem diesbezüglichen Artikel nachlesen 😉

Den ersten Schritt zur eigenen IMDb Seite machen

An einem ruhigen Samstagnachmittag saß ich in der Lounge unseres Wohnheims, als plötzlich die Wohnheims-Mutti Koko hereingestürtmt kam. Sie grüßt garantiert jeden der 300 Studierenden beim Heimkommen mit einem langgezogenen „O-kaeri-nasaaaai“ (dt. „Willkommen zurück!“). „Can you swim?“ fragte sie mich. Auf mein irritiertes Nicken hin drückte sie mir einen Flyer in die Hand „Then you can apply here.“ Es handelte sich um eine Ausschreibung des größten öffentlichen japanischen Fernsehsenders NHK, vergleichbar mit ARD oder ZDF, für Statistenrollen. Gedreht werden sollten die vergangenen olympischen Spiele in Vorbereitung auf die Tokio Olympics 2020, und dafür wurden ausländische Komparsen gebraucht.

Gesagt, getan. Ich habe mich beworben und als Statistin am Beckenrand und im Pool selbst mitgewirkt. Die Arbeitsbedingungen waren zugegebenermaßen nicht das Gelbe vom Ei, aber die Erfahrung an sich war spannend und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Zuhause in Deutschland hätte ich das wahrscheinlich nicht erlebt.

Probieren und im Ausland studieren

So viel zu meinen Erfahrungen. Natürlich ist jeder Auslandsaufenthalt unterschiedlich, manchmal bieten sich mehr Chancen und Gelegenheiten, manchmal eher weniger oder der eigene Fokus ist ein anderer. Gerne möchte ich aber an alle appellieren, die mit dem Gedanken spielen, sich auf dieses Abenteuer zu begeben: Zu Erleben gibt es viel.

  1. Gastuniversitäten bieten in der Regel viele Gelegenheiten, Ausflüge und Kursangebote, um mit der Kultur des Gastlandes in Kontakt zu kommen.
  2. Auch außerhalb der Universität gibt es Netzwerke, die Möglichkeiten für interessante Jobs oder Events bieten.
  3. Gerade in Japan, aber wahrscheinlich auch in vielen anderen Ländern, eröffnen sich Möglichkeiten als ausländische Studierende durch die eigenen Sprachkenntnisse (Erstsprache, Englisch oder andere), das Aussehen (z.B. als ausländische Models, SchauspielerIn) oder die eigene Perspektive (z.B. in Umfragen, Vorstellen der eigenen Kultur).
  4. Wenn nicht im Auslandsjahr, wann sonst hat man die Freizeit und Freiheit, solche Erfahrungen zu machen?

In diesem Sinne: Probieren geht über Studieren. Äh, lieber Probieren UND Studieren!

Falls Euch weitere Themen im Zusammenhang mit Tokio interessieren, über die Ihr gerne mehr erfahren würdet (z.B. der JLPT, das Wohnheim der Sophia, Lebenskosten in Tokio), lasst mir gerne einen Kommentar da oder sagt mir auf Instagram Bescheid. Liebe Grüße!

Ein Kommentar

  1. Wunderbarer Motivationsartikel! Es gibt so viele Möglichkeiten während eines Auslandsjahrs, vor allem in einer Stadt wie Tokyo. Man muss einfach die Augen aufhalten und einen Schritt aus seiner Komfortzone machen, dann bekommt man so viel zurück!
    Deine Bildcollagen sind großartig!

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