„Auslandsstudium zahlt sich immer aus“

Louisa Klein studiert in St. Paul/Minnesota

Louisa Klein studiert an der Uni Trier im vierten Fachsemester Germanistik und Medienwissenschaft. Zurzeit verbringt die 22-Jährige die letzten Tage ihres Austauschprogramms an der St. Thomas University, einer privaten Hochschule in St. Paul im Bundesstaat Minnesota mit etwa 11.000 Studierenden. Louisa Klein belegt dort Kurse im Studiengang Communication and  Journalism und English Literature. Nebenher arbeitet sie zusammen mit einer Deutsch-Lehrerin in einem Grammatik- und einem Literaturkurs. Außerdem steht sie den Studierenden als Tutorin zu Fragen der Grammatik sowie als Hilfe bei Hausaufgaben zur Verfügung.

Louisa Klein

Frau Klein, mit Ihrer Fächerkombination Germanistik und Medienwissenschaft sind Sie nicht auf bestimmte Länder fixiert. Warum haben Sie sich für die Vereinigten Staaten entschieden?

Ich möchte später gerne im Medienbereich arbeiten. Gutes Englisch ist da unerlässlich, außerdem wollte ich gerne etwas weiter weg. Die USA sind ein sehr vielseitiges und interessantes Land, das ich besser kennen lernen wollte, und die Uni Trier hat dort gute Austauschprogramme.

Welche Kriterien waren ausschlaggebend, dass Sie sich mit der University of St. Thomas für eine Partnerhochschule der Uni Trier entschieden haben?

Entscheidend war natürlich erst einmal, dass ich eines meiner beiden Studienfächer studieren konnte, St. Thomas bot sogar beides an! Außerdem hat mich die Stelle als Deutsch-Teaching-Assistentin gereizt, weil sie gut zu meiner Fächerkombination passte. Auch die zentrale Lage in St. Paul, Minnesota, das mit Minneapolis zusammen „Twin Cities“ genannt wird, fand ich gut. Minnesota ist ja normal kein Staat, den man zum Urlaub machen besuchen würde und trotzdem gibt es hier viel zu sehen.

Haben Sie den Deutschunterricht für die amerikanischen Studierenden als eine Pflichterfüllung betrachtet oder haben Sie von der Lehrtätigkeit profitiert?

Mein Hauptfach ist Germanistik, also passte das sehr gut zu der Lehrtätigkeit. Es war eine Möglichkeit für mich, mein Wissen anzuwenden und auch zu erweitern, und die Arbeit mit den Studenten hat mir viel Spaß gemacht. Die meisten von ihnen waren sehr motiviert, Deutsch zu lernen und auch an der deutschen Kultur interessiert. Auch den Blick der amerikanischen Studenten auf die deutsche Kultur zu erleben war definitiv eine Bereicherung für mich.

Mit welchen Erwartungen sind Sie in die USA gegangen und welche haben sich erfüllt?

Natürlich wollte ich mein Englisch verbessern, diese Erwartung hat sich auf jeden Fall erfüllt. Außerdem wollte ich eine andere Kultur und Menschen aus anderen Kulturen kennen lernen. Auch das hat sich erfüllt, denn St. Thomas hat viele internationale Studenten.  Zudem wollte ich über die amerikanische Kultur, die ja in anderen Ländern öfter für Kontroversen sorgt, mehr erfahren. Viele „Stereotype“ kann ich nach diesem Jahr besser verstehen. Neben Wissen über die amerikanische Kultur habe ich vieles über die deutsche Kultur gelernt und vor allem schätzen gelernt. Durch die Sichtweise anderer auf das eigene Heimatland denkt man selber darüber was „typisch deutsch“ ist und was nicht. Insgesamt muss ich sagen, dass der ganze Aufenthalt ein sehr positives Erlebnis war.

Ohne indiskret zu werden: Kann man sich als Studentin das Studium und das Leben in den USA ohne weiteres leisten?

Ich hatte das Glück,ein Stipendium für die Studiengebühren zu bekommen und nach Übernahme der Sprachassistenten-Tätigkeit auch eines für Unterkunft und Verpflegung an der Uni. Was man dann zusätzlich ausgibt, hängt von einem persönlich ab. Generell sind die Preise für die meisten Dinge vergleichbar zu Deutschland, aber Amerika ist ein Konsumland und man wird oft zum Shoppen verleitet. Man sollte aber auf jeden Fall etwas Geld gespart haben, vor allem wenn man noch reisen möchte. Hin-und Rückflug sind recht teuer.

Wie bewerten Sie aus Ihrer Erfahrung die Befürchtungen vieler Studierender, dass ein Auslandsaufenthalt das Studium unverhältnismäßig verlängert?

Campus der St. Thomas University in St. Paul, Minnesota

Mein Studium hat sich durch den Aufenthalt zwar um ein Jahr verlängert, aber ich denke, das ist noch  keine unverhältnismäßige Verlängerung.  Ich habe in diesem Jahr viel gelernt und erlebt, deshalb war es für mich eine sehr gute Investition. Davon werde ich persönlich mehr profitieren als davon, mein Bachelor-Studium in drei Jahren abgeschlossen zu haben.  Ich denke, dass so ein Aufenthalt sich vor allem im persönlichen Bereich immer auszahlt, auch wenn man dafür ein Jahr länger an die Uni geht.

Hätten Sie drei, vier Tipps für Kommilitonen in denen gerade der Gedanke an einen Studienaufenthalt in anderen Ländern reift?

Man sollte sich vorher überlegen, was man von einem Auslandaufenthalt erwartet, in persönlicher und fachlicher Hinsicht, und wieso man das machen möchte. Wenn man dann einen Auslandaufenthalt machen möchte, sollte man so früh wie möglich anfangen, sich genau darüber zu informieren.

  • Je nach Grund und Ort des Auslandsaufenthaltes sollte man sich genau über die vielen Austauschprogramme informieren und herausfinden, was oder welches Programm am besten zu einem passt und wovon man selber lange profitieren kann.
  • Man sollte sich von sämtlichem Organisationskram nicht abschrecken lassen, denn der Aufwand lohnt sich.
  • Wer sich für Minnesota entscheidet, sollte keine Abneigung gegen Schnee haben!

 

WEI­TERE BEI­TRÄGE IN DER SERIE IN DIESER AUSGABE:

Hochschulsystem USA

 

3 Wege ins Ausland

 

Wie und wo informieren?