Das Hochschulsystem in den Vereinigten Staaten

In den USA läuft manches anders als in Deutschland

College oder University, Undergraduate oder Graduate? Wer sich für einen Studienaufenthalt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten interessiert, stellt fest: Ziemlich unübersichtlich, das Bildungswesen jenseits des Atlantiks. Und wie so vieles in den USA hat auch das Hochschulsystem XXL-Größe. In den Vereinigten Staaten leben rund 300 Millionen Menschen – knapp viermal so viele wie in Deutschland.

Foto: © Andrea Damm / pixelio

Die Zahl der Studierenden ist mit rund 20 Millionen dagegen etwa achtmal so hoch wie in der Bundesrepublik. Sie können zwischen knapp 5.000 Colleges oder Universitäten wählen gegenüber etwa 400 staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland.

Wie hierzulande kann man auch in den USA an staatlichen oder privaten Einrichtungen studieren. Die „Privaten“ bilden in den USA mit mehr als 3.000 das Schwergewicht. In Deutschland wird nur ein Viertel der staatlich anerkannten Hochschulen von privaten Trägern geführt. Allerdings sind drei Viertel der Studierenden in den USA an staatlichen und nur ein Viertel an privaten Hochschulen eingeschrieben.

Gebühren

Thema Studiengebühren: In Deutschland sind sie kurz davor, flächendeckend von der Bundesländer-Bildfläche zu verschwinden. In den USA werden Studiengebühren grundsätzlich an allen Hochschulen – teils in stattlichen Summen – erhoben. In der Regel sind sie an privaten Einrichtungen höher als an staatlichen. Laut DAAD-Länderprofil lagen 2009 die jährlichen Gebühren an öffentlichen Vierjahreseinrichtungen bei 6.585 US-Dollar (für Studierende aus anderen Bundesstaaten sogar bei 17.450 Dollar) an privaten Vierjahreseinrichtungen bei 25.100 Dollar. Für Studierende aus dem Ausland bedeutet eine Befreiung von Studiengebühren, etwa per (Austausch-)Stipendium, also eine enorme finanzielle Entlastung.

Studiensystem

Multikulti ist das Stichwort auch beim Blick auf das Studiensystem und die Abschlüsse in den USA. Europa hat mit dem Bologna-Prozess die Vereinheitlichung und Vergleichbarkeit angestrebt. In den Vereinigten Staaten weichen Hochschulmodelle, Studienabschlüsse und die Dauer der Studiengänge zwischen den Bundesstaaten und Hochschultypen mitunter stark voneinander ab. Immerhin: Auch in New York, Chicago oder Washington gibt es den Bachelor und Master. Allerdings studiert man – zumindest in der Regel – als Bachelor vier Jahre. Die Vielfalt der Abschlüsse führt häufig zu Problemen bei der Anerkennung. Studierende aus dem Ausland sollten darauf achten, dass die von ihnen ausgewählte Hochschule offiziell akkreditiert ist.

In den USA wird zwischen den Undergraduate- und den Graduate-Programmen unterschieden. Vereinfacht dargestellt, versteht man unter Undergraduate die ersten vier Jahre an der Universität oder dem College, die meist mit dem Bachelor enden. Der Bachelor-Studiengang beinhaltet – anders als in Deutschland – einen ausführlichen allgemeinbildenden Teil. Graduate-Programme schließen üblicherweise mit einem Master oder Doktorgrad ab.

University und College

Bliebe noch die Frage: College oder Universität? Eine „University“ ist forschungsorientiert und bietet üblicherweise Ausbildungs- und Forschungsmöglichkeiten in der Undergraduate- und Graduate-Stufe an. Im College absolviert die überwiegende Zahl der Studierenden das Grundstudium (Undergraduate). Graduate-Programme (Master, Doktor) an Colleges sind eher die Ausnahme. Forschung ist allerdings nicht den Universitäten exklusiv vorbehalten. Die Forschungsleistungen einiger Elite-Colleges genießen einen  herausragenden Ruf.

WEI­TERE BEI­TRÄGE IN DER SERIE IN DIESER AUSGABE:

3 Wege ins Ausland

 

Wie und wo informieren?

 

Interview mit Louisa Klein