Thomas Grotum weckt Begeisterung für Aktenrecherche und Quellenarbeit

Serie Lehrpreis-Träger: Praktische Arbeit statt Trockenübungen
Dr. Thoms Grotum erhielt den Lehrpreis der Universität im Fachbereich III. Foto: Scarlett Olivia Kummer

Dr. Thoms Grotum erhielt den Lehrpreis der Universität im Fachbereich III. Foto: Scarlett Olivia Kummer

Im Grunde genommen hätte die Jury Dr. Thoms Grotum den Lehrpreis der Universität im Fachbereich III gleich für drei Veranstaltungen verleihen können: für ein Kolloquium zur Gestapo Trier, für ein Projektseminar zu einem Gestapo-Lager im Saarland und für ein Hauptseminar zur „Pop-History“. Letztlich entschieden sich die Juroren für die Aufarbeitung der Geschichte der Gestapo in Trier. In ihrer Begründung bezeichnet die Jury das studentische Projekt als ein „sehr gelungenes und einzigartiges Beispiel für die Verbindung von Forschung und Lehre“.

Als wissenschaftliche Hilfskraft am Max Planck-Institut für Geschichte in Göttingen hat Thomas Grotum während seines Studiums erlebt, um wieviel „faszinierender und spannender“ als Vorlesungen und Seminare das Recherchieren in Archiven und das Auswerten von Quellen sein kann. Diese Faszination vermittelt er Studierenden in seinen Lehrveranstaltungen stets aufs Neue mit forschungs- und praxisbezogenen Ansätzen.

Im Fall des Gestapo-Projekts griff Thomas Grotum eine Initiative der Staatsanwaltschaft Trier auf. Die Rechtsbehörde suchte nach dem Umzug in den ehemaligen Dienstsitz der Trierer Gestapo einen Kooperationspartner, der die Historie des Gebäudes und der Gestapo-Stelle in Trier historisch aufarbeiten sollte. Die Staatsanwaltschaft stimmte Grotums Vorschlag zu, diese Aufgabe Studierenden zu übertragen.

Von den Dimensionen, die das Projekt über die Jahre erreicht hat, wurde der Historiker selbst überrascht: Fünf Abschlussarbeiten zu Einzelforschungen liegen bereits vor, sieben weitere sind in der Entstehung. In den durch akribische Arbeit zusammengetragenen Quellen und Akten schlummern „noch viele weitere interessante Themen“, so Grotum. Was umso mehr überrascht, da es zu Beginn des Projektes um Literatur, Aktenbestände und Quellen zur Gestapostelle in Trier sehr schlecht bestellt war. „Man findet aber immer etwas“, weiß Thomas Grotum aus eigener Forscherpraxis.

Das Team des Gestapo-Projektes bei einer Kolloquium-Sitzung. Foto: Thomas Grotum

Das Team des Gestapo-Projektes bei einer Kolloquium-Sitzung. Foto: Thomas Grotum

Erste Ergebnisse ihrer Arbeit haben die Studierenden der Öffentlichkeit bei einer Tagung im vergangenen Jahr in der Gedenkstätte Hinzert vorgestellt. Im Mai soll eine weitere Konferenz stattfinden. Außerdem präsentierten die jungen Forscher beim City Campus einer breiten Öffentlichkeit ihre Erkenntnisse. Vorträge halten, Poster gestalten, Präsentationen erstellen oder Artikel schreiben – die Projektteilnehmer sammeln bei der Vermittlung ihrer Ergebnisse mannigfaltige Zusatzqualifikationen.

„Praktische Arbeit statt Trockenübung“, formuliert Thomas Grotum daher sein Lehr-Konzept. Die Teilnehmer der Projektgruppe bearbeiten ihre Themen selbstständig, sie sind aber untereinander vernetzt und tauschen sich bei regelmäßigen Treffen aus. Mitunter entwickeln sich aus der Gruppendynamik heraus regelrecht „verschworene Gemeinschaften“.

Trotz der intensiven wissenschaftlichen Arbeit kommen die sozialen Kontakte nicht zu kurz. Als Ergänzung zu informellen Treffen der Studierenden zum Semesterende sieht Grotum Exkursionen als ein ideales Format, die beiden Komponenten miteinander zu verbinden und bleibende Eindrücke und Impulse zu erfahren. So hatten die Studierenden bei einer Studienreise in die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau im Jahr 2008 Gelegenheit, mit dem letzten überlebenden, in Polen wohnenden Sonderkommando-Häftling, Henryk Mandelbaum, einen Tag zu verbringen. Nur einen Monat später starb der Zeitzeuge. Eine beeindruckende und unwiederbringliche Begegnung, die Seminare oder Vorlesungen schwerlich vermitteln können.

Informationen zum Gestapo-Projekt

Zur Person

Dr. Thomas Grotum studierte Mittlere und Neuere Geschichte, Politikwissenschaft und Pädagogik an der Georg-August-Universität Göttingen. Er arbeitete als studentischer und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen und später als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Technischen Universität Darmstadt, bevor er zum MPI in Göttingen zurückkehrte. 2001 kam er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Neuere und Neueste Geschichte an die Universität Trier und wurde 2002 an der TU Darmstadt promoviert.

Das sagen Projekt-Teilnehmer

„Dieses Projekt bietet mir die Chance, in einem Bereich zu forschen, der bisher noch unerschlossen ist. Der Mehrwert dieses Projektes liegt darin, dass wir durch unsere Arbeit dazu beitragen, dass ein Stück Trierer Geschichte aufgedeckt wird.“ Viktoria Bach

„Das Projekt Gestapo in Trier interessierte mich besonders deshalb, weil ich meine Abschlussarbeit mit zum Teil ungenutzten Archivquellen im Rahmen einer kleinen Gruppe von Studierenden mit demselben Themenkomplex schreiben konnte. Der Austausch war sehr gewinnbringend. Reizvoll war auch, dass die im Projekt entstandenen Ergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit in Form von Vorträgen, aber auch schriftlicher Publikationen präsentiert werden sollten.“ Matthias Klein

„Ich wollte gerne aktiv forschen und Licht ins Dunkel einer Forschungslücke bringen. Ich fand die Recherchen zur Regionalgeschichte in diversen Archiven sehr spannend und sehr bereichernd an neuen Erfahrungen. Herr Grotum hatte jederzeit ein offenes Ohr für unsere Anfragen und Sorgen und half stets schnell und tatkräftig bei der Bewältigung von Problemen. Dies ist nicht selbstverständlich. Für mich war die Mitarbeit am Forschungsprojekt der krönende Abschluss meines Geschichtsstudiums.“  Katharina Klasen