„In der Mathematik wird es nie langweilig“

Serie Lehrpreisträger: Dr. Jürgen Müller

Auf den ersten Blick mutet das Lehrkonzept nicht spektakulär an: Dem Mathematiker Dr. Jürgen Müller wurde der Lehrpreis der Universität im Fachbereich IV für eine Vorlesung zuerkannt. Müllers besondere Leistung lag nicht in der Wahl eines exotischen Veranstaltungsformats, vielmehr vermittelte er den Studierenden die abstrakte Materie Mathematik und das Thema „Konzepte der Analysis“ außergewöhnlich anschaulich und verständlich. Und damit erfüllte er die eigentliche Aufgabe der Lehre in hervorragender Weise.

Lehrpreisträger Jürgen Müller

Lehrpreisträger Jürgen Müller

Der habilitierte apl-Professor Jürgen Müller wählte für die Vorlesung einen in der Mathematik unüblichen Weg. Statt Analysis oder das Teilgebiet Integrale als ein feststehendes System zu vermitteln, stellte er unterschiedliche Integral-Begriffe gegenüber: „Ich wollte den Studierenden vermitteln, dass Dinge nicht von Gott gegeben sind, sondern dass es in der Mathematik stets verschiedene, konkurrierende Ansätze gibt.“

Vor allem Lehramtsstudierende waren für diese Aufbereitung des Themas dankbar. „Lehramtsstudierende bemängeln häufig, dass es eine Mathematik der Universität und eine Mathematik der Schule gibt. Das finde ich schade. Daher wollte ich mit dieser Lehrveranstaltung eine Verbindung herstellen. Es ist ja die gleiche Mathematik, nur aus verschiedenen Blickwinkeln“, erläutert Jürgen Müller.

Damit sich die Studierenden weiter in das Thema vertiefen konnten, ergänzte er seine Vorlesung um ein Seminar. „Hier haben sich die Rollen geändert, die Studierenden mussten nun aktiv werden und die Inhalte aufarbeiten“, so Müller.

Es sei eine schöne Anerkennung, beantwortet Jürgen Müller die Frage, was ihm der Lehrpreis bedeute. Insbesondere freut er sich, dass Studierende diese Anerkennung ausgesprochen und den Aufwand nicht gescheut haben, einen Antrag formulieren zu müssen. Insofern versteht Müller die Auszeichnung „vielleicht auch als Dank, dass ich den Studierenden den Eindruck vermittele, dass ich mich um sie kümmere“. Beispielhaft für diese Fürsorge und Hilfsbereitschaft steht der Hinweis auf seine Sprechstunden als Fachstudienberater: „Nach Vereinbarung oder einfach jederzeit, wenn ich im Büro bin“. Ein gutes Betreuungsverhältnis gelte für die gesamte Trierer Mathematik, ergänzt Müller: „Die Dozenten sind begeistert von dem, was sie tun. Und das spüren die Studierenden.“

Müller ist darüber hinaus sehr bemüht, Studieninteressierten und Studierenden die Angst vor dem Fach Mathematik zu nehmen. „Man muss kein Genie sein, um Mathe zu studieren. Ich rate dazu, es zu versuchen. Mathematik ist kein leichtes Fach, aber wenn sie an sich arbeiten, können es die meisten schaffen.“

Dass die Trierer Mathematik einen hohen Wohlfühlfaktor verströmt, weiß kaum jemand  besser als Jürgen Müller selbst. Als er sich 1981 als junger Student für das Fach einschrieb, gehörte er zum zweiten Jahrgang des kurz zuvor neu eingerichteten Fachs. Nach Promotion und Habilitation  blieb er Trier und der Universität treu. Was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass es ihm nie langweilig geworden ist: „Die Tätigkeit ist für mich nie in Routine übergegangen. Anders als viele glauben, tut sich auch in der Forschung ständig etwas Neues. Mathematik ist keine abgeschlossene Materie, es stellen sich immer wieder neue Fragen.“