Musik als Energiequelle für das Studium

Der Pianist Jerry Felten verleiht manchem Uni-Event seine musikalische Note

Wenn Jerry Felten mit unruhig zappelnden Fingern in der Vorlesung sitzt, ist er weder hypernervös noch extrem angespannt. Es sind musikalische Trockenübungen, die der Student in solchen Momenten auf die Platte des Hörsaal-Pultes trommelt. „Die Feinrhythmik leidet schon, wenn ich mal eine Woche lang nicht Klavier spiele“, erklärt der Masterstudent der Betriebswirtschaftslehre und passionierte Pianist. Zu einer solch langen Abstinenz vom Instrument kommt es jedoch selten. Mehr noch als die Disziplin und der Ehrgeiz ist es die Leidenschaft für die Musik, die den 25-Jährigen nicht von den Tasten loskommen lässt. An der Universität Trier ist Jerry Felten bei verschiedenen Anlässen – vom Dies Academicus bis zu Absolventenfeiern – ein oft gebuchter Künstler. Aber auch außerhalb des Campus schätzen Kultur- und Musikveranstalter seine musikalischen Inspirationen und Interpretationen.

Musik und Studium – dieser Zweiklang bestimmt seit sechs Jahren Jerry Feltens Leben. So oft und so gut es geht bringt er sie in Einklang – und sei es nur mit Fingerübungen in Vorlesungen. Das Studium der Betriebswirtschaftslehre hat er bewusst als Ergänzung gewählt. „Eine Kombination aus Musik und BWL ist eine Idealvorstellung für meinen Berufsweg, beispielsweise im Musik-Management oder Musik-Marketing“, blickt der Luxemburger in die nicht allzu weite Zukunft voraus. Sein Masterstudium wird er voraussichtlich in neun Monaten abschließen. Auch die Wahl der inhaltlichen Studien-Schwerpunkte – Marketing und strategisches Management – hat er auf dieses Ziel ausgerichtet. „Das BWL-Studium ist für mich eine Absicherung“, sagt Felten, der realistisch genug ist, nicht von einer Existenz als Profi-Musiker zu träumen.

Für die Universität Trier hat er sich nach einem einjährigen Abstecher in die Rechtswissenschaften an der Straßburger Universität entschieden, weil „mich die hier angebotene Kombination aus BWL, VWL und Soziologie sehr interessiert hat“. Eine gute Wahl, findet der Student der ersten Bachelor-Generation rückblickend. Auch deshalb, weil ihm BWL deutlich mehr Spielraum lässt als Jura. „Ich brauche diese kreative Freiheit. Wenn Prinzipien zu streng sind, breche ich aus“, sagt Felten. Ohnehin ist die Musik für ihn das Werkzeug zum Ausbruch aus dem Alltag: „Ich setze mich ans Klavier und vergesse alles um mich herum.“ Dazu genügt eine Vorlesungspause im Audimax, in der Felten den Flügel öffnet und Welt-entrückt die Tasten drückt. Die Kraft und Energie, die ihm die Musik gibt, leitet er schon mal an seine Kommilitonen weiter. Vor einer wichtigen Klausur hat Felten im Hörsaal Flügel gespielt und mit seinen Klängen den ein oder anderen aufgeregten Studierenden beruhigt.

Mit Kraft, Energie und großer kreativer Freiheit gestaltet Felten auch sein Repertoire. Bekannte Songs aus Charts interpretiert er nach eigenen Empfindungen neu. Auf seiner gerade fertiggestellten zweiten CD ergänzt er die Neu-Interpretationen bekannter Titel durch Eigenkompositionen. Die 18 Nummern starke Scheibe ist eine hundertprozentige Eigenproduktion: Tonaufnahmen, Bearbeitung, Covergestaltung und Vertrieb – alles ein Produkt der „Felten-Ich-AG“.

Aus dem Studium kann der Luxemburger zwar Know-how für die Vermarktung seiner CD ableiten. Aber die BWL lehrt auch, dass man mit einem Produkt Gewinn erzielen sollte. Daran arbeitet Jerry Felten derzeit. Aber beileibe nicht so leidenschaftlich wie an neuen Musikstücken.

Zur Person

Der 25-jährige Luxemburger Jerry Felten klimperte schon im Kindergartenalter auf dem Klavier seiner Mutter. Mit sechs Jahren wurde er mehrmals wöchentlich an einer Privatschule in Luxemburg vorwiegend in klassischer Klaviermusik unterrichtet. Nach Abschluss einer praktischen und theoretischen Prüfung nahm er sich als Zehnjähriger eine längere musikalische Pause. Mit 15 setzte er sich wieder ans Piano und beschäftigte sich autodidaktisch mit Improvisation und Komposition. Sein musikalisches Vorbild ist der chinesische Pianist Lang Lang. An der Universität Trier ist Jerry Felten beim Dies Academicus am 28. November (Audimax) und bei der Verleihung der Deutschland-Stipendien Anfang Dezember zu hören.

Kontakt zu Jerry Felten: feltenpiano@gmail.com